Cézanne
«Mit einem Apfel will ich Paris in Erstaunen versetzen»

Ein Theaterabend mit H.-D. Jendreyko und Luzius Heydrich
(nach „Gespräche mit Cézanne“,
Diogenes Verlag)

Eine Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich, Staatsgalerie Stuttgart, Kunstmuseum Basel und THEATER BASEL

Premiere 18. Mai 2000 im Kunsthaus Zürich, anschliessend Gastpiele im Kunstmuseum Basel und in der Staatsgalerie Stuttgart.
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Premiere der neu erarbeiteten Produktion am 25. April 2012 im Theater Basel in
Kooperation mit dem THEATER BASEL.

Verschiedene Maler, Galeristen und Schriftsteller haben mit Paul Cézanne gegen Ende seines Lebens Gespräche geführt. Diese Gespräche sind von einigen Teilnehmern dokumentiert worden. Aus dem umfangreichen Material und einigen Briefen ist die Textfassung dieser Produktion zusammengestellt. Alles was die Theaterfigur Cézanne in «Mit einem Apfel will ich Paris in Erstaunen versetzen» sagt, ist in diesem Sinne Originaltext Paul Cézannes.

Ausgangspunkt unserer Theaterwanderung ist der tägliche Marsch Cézannes zur Montagne Sainte-Victoire, dem berühmten Motiv vieler seiner Gemälde. Dabei spricht ihn ein junger Verehrer, ein Maler und Schriftsteller aus Paris, an. Er wünscht einige Werke von ihm sehen zu dürfen. Paul Cézanne weicht aus, nimmt ihn aber mit „sur le motif“ und durch Aix-en-Provence. Dieser gemeinsame Streifzug zieht sich durch das Stück und durch das Basler Theater. Wie der junge Mann den alten Meister begleitet, folgt das Publikum diesem ungleichen Paar. Station für Station, Szene für Szene, Thema für Thema bewegen sich die Schauspieler und Zuschauer durch verborgene Räume des Theater Basel. Die Stadt Aix liegt in den Katakomben des Hauses, die dem Besucher wahrscheinlich unbekannter sind als die französische Stadt. Die Wanderung endet im Malsaal des Theaters – dem Louvre.

Worüber sprechen die beiden auf diesem Weg? Der junge Verehrer befragt Cézanne nach seinem Leben und Cézanne führt das Gespräch immer wieder auf das, was sein Leben ist: die Malerei. Wieder und wieder unterbricht er den Gang und beobachtet: «Alles was wir sehen entschwindet, aber die NATUR ist immer dieselbe – was ist hinter der Natur? – vielleicht nichts? – vielleicht alles!» Um das Entschwindende der Natur in seiner Malerei nicht festzumachen, sondern das Dahinter, bringt er diese hohe Konzentration des Sehens bis zur Selbstzerstörung auf: «Unser Sehvermögen ist verbraucht durch die Erinnerung an tausend Bilder, wir sehen nicht mehr die Natur, wir sehen die Bilder wieder. Sehen als ob man eben geboren worden ist.»

Aber Cézanne will noch mehr: ob Licht, ob Schatten, konvex oder konkav, ob Geologie, er will wissen und verstehen, um der Natur auf seiner Leinwand «die Erregung der Dauer zu geben». Er schwärmt von Delacroix, von Monet und der Provence, erzählt schräge Geschichten, rezitiert Baudelaire, spöttelt über Renoir, widerspricht sich, erklärt die Vorgänge seines Sehens, empfindet sich als Klassiker und stürmt schliesslich voll Begeisterung durch den Louvre. Sein Begleiter ist immer bei ihm und lässt uns erfahren, was für ein kenntnisreicher, gebildeter Mensch dieser grosse Künstler ist – wenn er über seine Venezianer spricht, besonders Veronese, «der Prinz», und Tintoretto, «der Sträfling», in denen sich Cézanne selbst erkennt. So ergibt sich allmählich ein Bild des Malers, ein taches neben dem anderen. Ein sinnlicher Theaterabend über das Sehen, das Suchen und über das tiefe Staunen vor der Schöpfung und die Qual der malerischen Realisation.

Sein Begleiter beklagt, dass er sich so sehr in die Isolation begibt, dass ihn in Paris keiner mehr wahrnimmt: «Ich mache alle Tage Fortschritte, das ist das Wesentliche.» – Zugleich ist er jedoch verletzt, weil er in den Pariser Salons nicht ausgestellt wird. Bei einem gemeinsamen Essen mit dem jungen Begleiter bricht die Geschichte des Zerwürfnisses mit dem Freund Emile Zola aus ihm heraus; ein andermal erzählt er, warum er die Arbeit am Porträt des französischen Präsidenten Georges Clemenceau abrupt abbrach: «Der Mann glaubt nicht an Gott. Machen Sie damit mal ein Portrait.»

Als er sich am Ende des Stücks lauthals erregt, weil der von ihm geliebte Courbet im Louvre schlecht gehängt ist und als Konsequenz die Absetzung des Direktors fordert, kommt er zu dem zurück, was er bereits in jungen Jahren gefordert hatte: «Il faut brûler le Louvre» – wenn man nicht den Mut hat, das Schöne zu zeigen.

Mit:
H.-Dieter Jendreyko (P. Cézanne) und Luzius Heydrich (Der Gast)
Idee und Fassung: H.-Dieter Jendreyko
Regie: Andreas Schulz
Ausstattung: Michael Hein
Regieassistenz: Josef Simon
Produktion: stranger in company


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Bei Interesse an Gastspielen wenden Sie sich bitte an: post@od-theater.ch

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